Warum Algen der Rohstoff einer wortwörtlich grüneren Zukunft sind

Algen
Algen funktionieren als Substitut für Plastik und Papier, Treibstoff, Bekleidung oder auch als leckeres Superfood.

Für gewöhnlich stören wir uns an ihnen, schreien laut auf wenn sie unser Bein beim Schwimmen im See streifen. Doch Algen sind der Rohstoff der Zukunft, weswegen also kein Weg daran vorbeiführt, sich für sie zu begeistern. Das ist für Kenner*innen auch eigentlich gar nichts Neues, für Frischlinge der Nachhaltigkeitsbewegung dafür aber umso verblüffender. Egal ob als Substitut für Plastik und Papier, Treibstoff, Bekleidung oder Superfood, die Alge ist eine nahezu unerschöpfbare Resource, von der wir hoffentlich bald noch viel mehr zu sehen, schmecken und fühlen bekommen. Wo und wie sie aber schon überall eingesetzt wird, möchte ich euch hier zeigen. 

Algen in Beauty & Fashion

Charlotte McCurdy ist eine amerikanische Wissenschaftlerin und Designerin, die aus Algenpartikeln Mode macht. So jüngst einen wasserabweisenden Regenparka, oder ein Kleid in Kollaboration mit High End Modemacher Phillip Lim, dessen Pailletten nicht aus klassischem Glitzerplastik, sondern abbaubaren Algenaufnähern bestehen.  Der einzigartige, CO2-negative(!) Stoff ist ihre Antwort auf die umweltbelastende Bekleidungsindustrie und ihren nach wie vor immensen Verbrauch fossiler Energien. Auch in Sachen Kosmetik kommt die Alge wohltuend zum Einsatz, so etwa in den nährstoffreichen Hautcremes von Agrimer-Bretagne Cosmétiques.

Algen als Papierersatz

Algen
via dezeen

Algen gehören zu einem gesunden Aqua-Ökosystem dazu. Zu viele von ihnen können aber auch schädlich für Unter-Wasser-Flora und -Fauna sein. Gerade wenn sie bis hoch an Land wuchern. Aus diesem Grund hat sich der spanisch-italienische Designer Pablo Dorigo Sempere den venezianischen Überschuss an Kanalalgen vorgeknöpft. Aus dem geernteten Grünzeug presste er Papier und Briefmarken. Das 2018 begonnene Projekt “From Venice With Algae” sollte auf die Verschmutzung der dortigen Gewässer hinweisen, gleichzeitig an die wundersamen Verwendungszwecke der zuvor von der Allgemeinheit für eklig und überflüssig befundenen Algen erinnern. 

Algen als Plastikersatz

Das britische Start Up Notpla – zuvor bekannt als Skipping Rocks Lab – rückte in die Aufmerksamkeit des Mainstreams, als es mit seinen gecrowdfundeten “Ooho!”-Wasserkapseln auf einem Londoner Marathon auftrat. Statt Getränken in Plastikflaschen wurden den Läufer*innen diese Membran-verpackten Erfrischer gereicht. Die außerirdisch erscheinende Schutzschicht besteht aus Algen, ist mit annähernd jeder Art von Flüssigkeit kompatibel, in weniger als zwei Monaten komplett biologisch abgebaut, essbar und obendrein auch noch günstiger als  die herkömmliche Kunststoffverpackung. 

Algen als Superfood

ALgen

Essen kann man Algen übrigens auch. Und das nicht nur im Wakame-Salat als Vorspeise zum Sushi. In Pillen-, Pulver- oder eben ganz natürlicher Form ist die Alge eine super gesunde Zutat für allerhand Rezepte. Man unterscheidet hier zwischen braunen, roten, grünen und blaugrünen Algen, die als jeweils unterschiedliche Lebensmittel in Erscheinung treten, dafür aber allesamt über jede Menge Proteine, Vitamine, Ballast- und Mineralstoffe verfügen.

Algen als Treibstoff

Algen

Schon 2009 trat eine Flugmaschine der Airline Continental eine mit Algen betriebene Reise an. Die öligen Fasern der Alge eignen sich als weniger schädliches Brenn- und Streckmaterial für die sonst mit Kerosin gefüllten Treibstofftanks. Zwar kann man hier noch nicht von einer gänzlich vollendeten, großflächig umsetzbaren Alternative sprechen, doch sind Weiterentwicklungen des Seetang-Gemisches absolut vielversprechend. Momentan zwar noch zu teuer, ist eine algengemachte Biotreibstoff-Zukunft für Auto- und Flugverkehr also durchaus in Aussicht

Share:

Facebook
Twitter
Pinterest
Scroll to Top